Interview: Stadtführer KW Seite 1
 

Der Turmpächter (seit 2005 Eigentümer) Stefan Burkert sieht von "seiner" Aussichtplattform
viel mehr als nur Bäume.

Der Blick vom Wasserturm auf dem Funkerberg aufs Städtchen zu seinen Füßen ist fast symptomatisch für die Annäherung an Königs Wusterhausen. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht- soll heißen, die Konturen des Ortes sind kaum zu erkennen, sie verschwimmen unter einem großen grünen Blätterzelt. Auch mit dem Teleobjektiv kann man sich nicht an ein historisches Ensemble heranzoomen, es gibt keinen geschlossenen städtischen Raum. Nur der Turm der Kreuzkirche ragt hervor und bildet ein Fixpunkt.

Um den herum muss sich der Betrachter die Stadt, die er zuvor vom Bahnhof kommend in nicht einmal 20 Minuten durchschritten hat, in Gedanken noch einmal neu aufbauen. "Ich bin unheimlich gern hier oben", schwärmt Stefan Burkert (44), der seit 30 Jahren in Königs Wusterhausen wohnt und seit zehn Jahren Café und Galerie "Der Turm" betreibt.
"Wenn man wie ich so lange zu allen Jahres- und Tageszeiten hier herunterschaut,dann sieht man schon, wie sich diese Stadt herausgemacht hat." Sein Turm ist ein Teil davon.

Der studierte Gesellschaftswissenschaftler hat sich mit der Übernahme des denkmalgeschützten Baus, dem Ausbau des gesamten Areals zu einem intimen kulturellen Kleinod und Konzertgarten eine Jugendliebe erfüllt. "Ich bin hier schon als Junge durch die Ruine geklettert, hier habe ich zum ersten Mal geknutscht."

Am vergangenen Wochenende (9.+10.06.2001) feierten Burkert und rund 500 Gäste das 10 Jährige Jubiläum mit LIFT, Tino Eisbrenner und Dirk Michaelis, seinem Leib- und Magen-Musiker, dessen CDs er häufig im Café auflegt. Er hat viele Künstler und Größen aus der Politik und Publizistik Berlins und Brandenburgs in seinem Turm gelockt, daß steinerne Gästebuch an den Wänden der Wendeltreppe gibt Auskunft darüber "Es ist nicht einfach, sich mit einem Angebot wie diesem in so ´ner Kleinstadt wie KW über Wasser zu halten, aber mit Schlammcatchen will ich trotzdem nicht mein Geld verdienen", spricht Burkert auch über die Mühen seines Jobs als Gastwirt, Galerist, Konzertveranstalter und Gärtner...

"Ich bin so verwachsen mit dem Ding, ich hab ja auch den Umbau konzipiert und mitgemacht. Ich will hier schon noch was bewegen, auch wenn man so oft an seine Grenzen stößt." Manchmal, insbesondere hier oben auf der Aussichtsplattform, überkomme ihn angesichts der Täler, die er auch zu durchschreiten hat, eine leise, verzagte Melancholie. "Aber es wird doch wieder eine positive Stimmung draus. Ich schau herunter und sehe die Stadt, wie ein Fremder gar nicht sehen kann. Da ist das fertige Schloss, da die gelungene Bahnhofsstraße, und dort unter den Bäumen steckt auch ein saniertes Haus. Da frag ich mich, kann es eigentlich einen schöneren Arbeitsplatz als diesen geben ?!"

Autoren: Andrea & Torsten Müller

 
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